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Potsdam, 18.08.2022

Sanierungsarbeiten in der Alten und Neuen Kirche Golm am Tag des offenen Denkmals zu bewundern


Landeshauptstadt Potsdam

Der Tag des offenen Denkmals findet in diesem Jahr am 11. September statt. Die Kirchengemeinde Golm öffnet aus diesem Anlass die Pforten ihrer zwei Kirchen, um diese der interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren.

Das Dorf Golm hat eine Besonderheit aufzuweisen: In dem 1289 erstmals urkundlich erwähnten Dorf steht nicht nur eine, sondern gleich zwei Kirchen in unmittelbarer Nachbarschaft. Am Fuße des sogenannten Reiherberges stehen sich die beiden Kirchengebäude gegenüber. Die kleinere und ältere der beiden liegt inmitten des historischen Kirchhofs (Friedhof). Die größere und neuere Kaiser-Friedrich-Kirche löste die Alte Kirche vor knapp 140 Jahren in ihrer Funktion als Dorfkirche ab. Kürzlich durchgeführte Sanierungsarbeiten am Fundament der Alten Kirche lassen vermuten, dass diese älter ist als bisher gedacht. Bei Erdarbeiten fanden Archäologen 2022 Tonscherben aus dem frühen 13. Jahrhundert. Die ältesten heute erhaltenen Bauteile der Alten Kirche stammen aus dem 15. Jahrhundert. In den Jahren 1778 bis 1779 wurde der einschiffige, verputzte Backsteinbau mit barocken Gestaltungselementen ausgestattet und durch einen quadratischen Westturm mit Zeltdach erweitert. Der noch erhaltene Altaraufsatz aus dem 18. Jahrhundert enthält eine Widmung des Königs Friedrich Wilhelm I.

Bereits 1778 war aufgrund der Baufälligkeit des Gebäudes sowie der gewachsenen Bevölkerung in Golm ein Neubau erforderlich. Das Kirchengebäude wurde nicht durch einen Neubau ersetzt und stattdessen immer wieder repariert. Mit dem Bau der Kaiser-Friedrich-Kirche am Ende des 19. Jahrhunderts verlor die Alte Kirche ihre Funktion als Dorfkirche; sie wurde fortan als Begräbniskapelle weitergenutzt.

Nur wenige Meter entfernt von der Alten Kirche steht die 1886 gewidmete sogenannte „Kaiser-Friedrich-Kirche“. Der Backsteinbau in neugotischen Formen wird im Volksmund nach seinem Förderer Kronprinz Friedrich Wilhelm, dem späteren Kaiser Friedrich II, benannt. Am 16. November 1882 überzeugte sich dieser zunächst allein und sechs Tage später im Beisein seiner Gattin vom schlechten Zustand der Alten Kirche in Golm. Friedrich Wilhelm und seine Frau Victoria, Prinzessin von Großbritannien, wollten mit dem Bau der Neuen Golmer Kirche eine bleibende Erinnerung an ihre Silberhochzeit schaffen. Dies zeigte sich auch in Teilen der originalen Ausstattung der Kirche. Ursprünglich hingen im Turm drei Glocken, die auf unterschiedliche Bibelverse verwiesen. Diese sollten einerseits an den Gunstbeweis des Kaisers und andererseits an die Silberhochzeit des Kronprinzenpaares erinnern. Eine mittelalterliche Grabplatte im Eingangsbereich und die historische Orgel der Firma Gesell zählen noch heute zur besonderen Ausstattung der Kirche. Die ursprünglich von Carl Eduard Gesell gebaute Orgel wurde zusammen mit der Kirche 1886 eingeweiht und ist fast komplett original erhalten. Lediglich die 1917 beschlagnahmten Zinn-Prospektpfeifen wurden in den zwanziger Jahren in Zink ersetzt. Nach dem Tod Carl Eduard Gesells übernahm sein Schüler Alexander Schuke die Firma. Zum hundertjährigen Bestehen der Firma Schuke wurde die Orgel 1998 aufwendig restauriert.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges gehörte Golm zum Kampfgebiet um Berlin und beide Kirchen erlitten durch Beschuss schwere Schäden. Erst 1962 konnte die Neue Kirche durch Eigeninitiative der Kirchenmitglieder notdürftig gesichert werden. Der beschädigte Dachreiter musste 1971 jedoch aus Sicherheitsgründen entfernt werden. Es ist vor allem dem 2002 gegründeten Kirchbauverein Golm e.V. zu verdanken, dass die Sanierung beider Dorfkirchen vorangetrieben werden konnte. So erhielt der Kirchturm beispielsweise 2006 einen neuen, spitzen Dachreiter und im Folgejahr konnte die Turmuhr wieder in Betrieb genommen werden. Auch die bis dahin aus Sicherheitsgründen stillgelegte Glocke konnte ab 2013 wieder genutzt werden.

Im Jahr 2021 stellte der Kirchbauverein Golm e.V. den Antrag auf die denkmalgerechte Erlaubnis für die Sanierung des dreiteiligen Wandgemäldes der Kaiser-Friedrich-Kirche. Der Putz hatte sich großflächig vom Mauerwerk gelöst und drohte abzubrechen. Der Kirchenkreis Potsdam hat für diese Maßnahme die Kostenübernahme erklärt. Nach eingehender Untersuchung der Farbbeschichtungen, bei der mehrere teils unsachgemäße Übermalungen festgestellt wurden, arbeiten die Restauratorinnen jetzt mit sehr viel Geduld daran, die Putzflächen zu hinterfüllen und dadurch zu stabilisieren. Im Anschluss soll die vorhandene Bemalung retuschiert sowie die Gesichter im mittleren Bild überarbeitet werden. Der Fokus der kommenden Jahre soll neben der vollständigen Sanierung der Alten Kirche sowie des Altarbildes der Kaiser-Friedrich-Kirche auch auf der gartenbaulichen Erneuerung des Areals in Anlehnung an die historische Gartengestaltung liegen.

Zum Tag des offenen Denkmals 2022 sind beide Kirchen von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Um 14.30 und 15.30 Uhr führt eine Restauratorin interessierte Besucherinnen und Besucher durch die Kaiser-Friedrich-Kirche. Mitglieder des Kirchbauvereins Golm e.V. stehen darüber hinaus ganztägig für Fragen sowie Führungen zur Verfügung. Nach Bedarf werden spezielle Führungen für Kinder sowie solche in englischer Sprache angeboten.

 

Potsdam, 18.08.2022

Veröffentlicht von:
Landeshauptstadt Potsdam

Info Potsdam Logo 2022-08-18 16:23:53 Vorherige Übersicht Nächste


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