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Potsdam, 26.07.2018

Kulturerben auf dem Telegrafenberg stellen sich vor


Ehrenamtliche engagieren sich für Optische Telegraphie und den „Großen Refraktor“ Kulturerben auf dem T

Im Europäischen Kulturerbejahr 2018 koordiniert die Untere Denkmalschutzbehörde eine umfangreiche Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Europa in Potsdam – Kulturerben zeigen ihre Stadt“. Zahlreiche Potsdamer Vereine für Baukultur beleben die vielen denkmalgeschützten Orte in der Stadt mit ihren Veranstaltungen. „Die Stadt verdankt diesen Vereinen und Engagierten in der Denkmalpflege unendlich viel. Wir freuen uns über die gute Zusammenarbeit und möchten die Vereine und Initiativen deshalb im Vorfeld des Tag des offenen Denkmals präsentieren“, sagt Sabine Ambrosius von der Unteren Denkmalschutzbehörde. Der diesjährige Tag des offenen Denkmals am 9. September wird einer der Höhepunkt des Jahresprogramms im Europäischen Kulturerbejahr sein. An diesem Tag werden zahlreiche Denkmale in Potsdam ihre Türen öffnen und die Mitglieder der Vereine zu Gesprächen bereitstehen.

Auf dem Telegrafenberg gibt es gleich zwei wissenschafts- und technikgeschichtlich bedeutende Orte, derer sich sehr engagierte Ehrenamtler angenommen haben. Hier sind der Förderverein Großer Refraktor Potsdam e.V. und die Interessengemeinschaft Optische Telegraphie in Preußen 4 aktiv. Bis Ende September führen Mitglieder des Vereins auf dem Telegrafenberg einmal im Monat ihre Objekte anschaulich vor. Zu sehen gibt es den Nachbau der Signalanlage des optischen Telegraphen sowie das zweitgrößte Linsenteleskop Europas, den „Großen Refraktor“. Natürlich kann am Tag des offenen Denkmals das interessierte Publikum die Anlagen besuchen und von den ehrenamtlich Aktiven viel Interessantes und Wissenswertes erfahren.   

Die 2006 gegründete Interessengemeinschaft Optische Telegraphie in Preußen 4 hat sich zum Ziel gesetzt, die ehemalige königlich-preußische optische Telegraphen-Linie zwischen Berlin und Koblenz (1832–1849) für die heutige Generation erlebbar zu machen. Ein originalgetreuer, funktionstüchtiger Nachbau der Signalanlage befindet sich seit 2009 am ursprünglichen  Standort der ehemaligen Station No.4 der Linie auf dem Potsdamer Telegrafenberg. Die zehn Mitglieder der Interessengemeinschaft führen die Anlage regelmäßig an jedem letzten Sonntag im Monat von April bis September in der Zeit von 14 bis 17 Uhr, aber auch auf Anfrage vor.
Ein weiteres wichtiges Ziel der Interessengemeinschaft ist der geplante Telegraphen-Radweg Berlin-Koblenz mit seinem Teilstück in Brandenburg und Berlin. Entlang dieses Radweges sollen Interessierte sowohl die Standorte der ehemaligen Stationen aufsuchen als auch touristische Entdeckungen in Städten und kleinen Ortschaften machen können.

Seit Anfang der 1830er-Jahre wurden Signale zwischen Berlin und Koblenz über 62 Stationen optisch-mechanisch in chiffrierter alphanumerischer Form „übermacht“. Bei der Signalanlage (Hardware) stützte man sich auf den Engländer Bernard L. Watson, aber die Software wurde in Windeseile ganz neu erfunden und zwar von Franz August O’Etzel, der als geistiger Vater der preußischen optischen Telegrafie angesehen wird. Als verantwortlicher Betreiber der Telegrafenlinie erkannte er aber schon zeitig, dass der elektromagnetischen Übertragung die Zukunft gehört. Am 8. Oktober 1840 demonstrierte er dem gerade inthronisierten Friedrich Wilhelm IV. auf der Terrasse vor dem Schloss Sanssouci in einem erfolgreichen Versuch eine „galvanische“ Nachrichtenübermittlung.

Die Königlich-Preußische Optische Telegraphenlinie war zwar als militärische Einrichtung für schnelle staatliche Reaktionen bei Aufständen in der Rheinprovinz, oder bei erneutem Einfall französischer Truppen errichtet worden, aber die Kommunikation zu den europäischen Nachbarn profitierte auch davon – sei es für die schnelle Nachricht über die Geburt eines Prinzen (in 48 Stunden aus Paris in Berlin) oder über das an Louis Philipp mit einer „Höllenmaschine“ verübte Attentat im Jahre 1835 und nicht zu vergessen über Börsenwerte, die aber geheim blieben.

Der „Große Refraktor“ ist ein Denkmal der feinmechanisch-optischen Industrie und der Anfang astrophysikalischer Forschung Ende des 19. Jahrhunderts. 1945 erlitt er schwere Kriegsschäden, wurde jedoch 1950 bis 1953 wieder instandgesetzt und modernisiert.  Auf seine Stilllegung im Jahr 1968 folgten Jahre des Verfalls. Der Förderverein Großer Refraktor Potsdam e.V. wurde 1997 gegründet, um den stillgelegten und unter Denkmalschutz stehenden Großen Refraktor auf dem Potsdamer Telegrafenberg zu retten. Die Hauptaufgabe des Vereins war daher zunächst, den Refraktor in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen, die Verantwortlichen für die Wiederherstellung des Instruments zu sensibilisieren und Sponsoren als Geldgeber zu gewinnen. Vorwiegend mit den Geldern der unter dem Dach der Deutschen Stiftung Denkmalschutz errichteten Pietschker-Neese-Stiftung, an deren Zustandekommen der Förderverein maßgeblich mitgewirkt hat, konnte der Refraktor von 2003 bis 2006 in Jena restauriert werden. Das Fernrohr wurde denkmalgerecht und funktionstüchtig 2006 wieder eingeweiht. Die technischen Arbeiten hat der Förderverein fachlich begleitet.

Das historische Institutsgebäude, gerade durch Bund und Land ebenfalls restauriert, ist umgeben von einer Parkanlage. Gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Astrophysik bringt der Förderverein den Refraktor durch Führungen, Vorträge und Himmelsbeobachtungen einer breiten Öffentlichkeit als erlebbares wissenschaftlich-technisches Denkmal nahe und stellt den Kuppelraum auch für Veranstaltungen nicht-astronomischer Art zur Verfügung.

Das Programm der Reihe „Europa in Potsdam – Kulturerben zeigen ihre Stadt“ gibt es online unter www.potsdam.de/kulturerben-zeigen-ihre-stadt. Das Programm zum Tag des offenen Denkmals wird in Kürze separat veröffentlicht.

 

Kontakt zur Interessensgemeinschaft Optischer TelegraphKontakt zum Förderverein Großer RefraktorPotsdam, 26.07.2018

Veröffentlicht von:
Landeshauptstadt Potsdam

Info Potsdam Logo 2018-07-26 15:50:06 Vorherige Übersicht Nächste


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