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Potsdam, 23.03.2020

Blick in historische Nowaweser Seidenfabrik


Förderverein des Potsdam-Museums e.V. erwirbt drei seltene Aufnahmen Innenaufnahmen der Nowaweser Seidenfabrik Michels & Cie des Berliner

Drei bisher unbekannte Innenaufnahmen der Nowaweser Seidenfabrik Michels & Cie befinden sich seit Kurzem in der Fotosammlung des Potsdam Museums. „Sie konnten dank unseres Fördervereins erworben werden und stellen eine Bereicherung für unsere Sammlung dar“, sagt Dr. Jutta Götzmann, Direktorin des Potsdam Museums - Forum für Kunst und Geschichte.

„Durch einen Zufall entdeckte unser Vorstandsmitglied Mathias Deinert auf einer Auktionsplattform im Internet die drei großformatigen, für ihr Alter außerordentlich gut erhaltenen Fotoabzüge des Berliner Fotografen Emil Leitner“, sagt der Fördervereinsvorsitzende Markus Wicke. „Erste Recherchen ergaben, dass die Aufnahmen kurz nach Fertigstellung des repräsentativen Baus 1912 entstanden sein müssen. Die drei Fotografien sind Teil einer umfangreicheren Fotodokumentation, aus der ganz ähnliche Aufnahmen desselben Urhebers in zeitgenössischen Publikationen veröffentlicht wurden“.

Der nach Entwürfen des Architekten Hermann Muthesius (1861-1927) errichtete üppig ausgestattete Bau der Seidenweberei erregte damals in Fachkreisen Aufmerksamkeit. So wird im Kunstgewerbeblatt von 1913/14 anerkennend von einer „Qualitätsfabrik“ gesprochen und weiterhin ausgeführt: „Sehr interessant und neuartig ist besonders im Inneren die Verbindung von Repräsentation und Arbeitsstätte gelöst. Ein prächtiges mit grauem und roten Marmor verkleidetes Vestibül empfängt den Eintretenden. Ist man die Treppe emporgestiegen, so bietet sich ein überraschender und unvergeßlicher Anblick dar: die breite obere Repräsentationshalle wird rückseitig nur durch eine riesige Glaswand abgeschlossen, und läßt das Auge mit einem Mal den 2850qm großen Webereisaal umfassen, in dem an vielen Webstühlen zahllose Räder und Motoren schnurren, Schiffchen sausen und zwischen dieser symmetrisch geordneten Anlage der Arbeitsstellen das in einheitlicher Farbe gekleidete Personal sich bewegt.“

Das Berliner Traditionsunternehmen Michels & Cie hatte 1912 seine neue Produktionsstätte in Nowawes günstig gelegen an der Eisenbahnstrecke Berlin-Potsdam errichten lassen. Michels & Cie zählten zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den führenden Produzenten hochwertiger Seiden- Samt- und Spitzenartikel. In Berlin firmierte ihr gleichnamiges renommiertes Seidenhaus, eines der bekanntesten Textilkaufhäuser.

Der neue Fabrikstandort der Seidenfabrik in der Nowaweser Kaiser-Wilhelm-Straße 1, an der Stelle der heutigen Märkischen Verlags- und Druck-Gesellschaft in der Friedrich-Engels-Straße, ist wohl vor allem als ehemalige Produktionsstätte der Schallplatten- und Musikinstrumentenfirma Elektrola bekannt, die dort seit 1926 produzierte und weitere Gebäude auf dem Gelände errichtete. Aus dieser Zeit sind auch Bildpostkarten im Museumsbestand erhalten. Zehn Jahre später übernahmen die Arado Flugzeugwerke das Areal. Das unter Michels & Cie entstandene Fabrikgebäude wurde 1945 durch einen Bombenangriff zerstört, lediglich Nebengebäude blieben stehen. Erhalten blieben ebenfalls die nun angekauften seltenen fotografischen Zeugnisse der Fabrik. Sie stammen aus einem Repräsentationsalbum einer Berliner Steinmetzfirma, die wohl die abgelichtete hochwertige Marmorausstattung der Repräsentationshalle ausführte.

Über den Urheber der exzellenten Aufnahmen – laut Prägestempel handelt es sich um den Berliner Fotografen Emil Leitner – ist bisher nur sehr wenig bekannt: Von circa 1908 bis 1945 war der wohl auf Architektur und Industrie spezialisierte Fotograf in Berlin tätig. Seine Aufnahmen befinden sich heute in der Landesbildstelle Berlin und unter anderem in zahlreichen Architektennachlässen.

„Wir sind wirklich sehr glücklich über diesen Ankauf der Fotografien durch unseren Förderverein“, sagt Judith Granzow, die Betreuerin der Fotografischen Sammlung. „Es gibt leider bisher in unserem Bildarchiv nur sehr wenige Abbildungen der ehemals zahlreichen Industriestandorte in Neuendorf, wo insbesondere die Textilfabrikation eine lange Tradition innehatte.“ Die Aufnahmen sind zudem wichtige fotografische Zeugnisse einer vergangenen und in Vergessenheit geratenen „modernen“ Architektur.

Potsdam, 23.03.2020

Veröffentlicht von:
Landeshauptstadt Potsdam

Info Potsdam Logo 2020-03-23 18:42:47 Vorherige Übersicht Nächste


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