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Potsdam, 23.01.2013

Neues Radsicherheitskonzept der Landeshauptstadt vorgestellt

Ein umfassender Bericht der Planungsgemeinschaft Verkehr (Hannover) zur Radfahrsicherheit in Potsdam wird der Stadtverordnetenversammlung am 30. Januar vorgelegt. Im Jahr 2008 wurden die Radverkehrsstrategie und das Radverkehrskonzept von der Stadtverordnetenversammlung unter anderem mit dem Ziel beschlossen, den Radverkehrsanteil auf 27 Prozent zu steigern. Dies erfordert neben dem Ausbau der Radinfrastruktur und Öffentlichkeitsarbeit sowie Information rund um das Thema Radfahren auch Aktivitäten zur Erhöhung der Verkehrssicherheit, denn ein positives Sicherheitsgefühl wirkt sich auch positiv auf die Nutzung des Fahrrads aus.

Vor diesem Hintergrund wurde die Planungsgemeinschaft Verkehr (Hannover) einerseits mit der Analyse und Bewertung des Unfallgeschehens für Potsdam in den Jahren von 2008 bis 2010 und andererseits mit der Untersuchung unfallauffälliger Bereiche beauftragt. Somit liegt erstmalig ein umfassender Bericht zum Radverkehrsunfallgeschehen in Potsdam vor. Wenn man mehrere Städte im Hinblick auf die Zahl der Unfälle, bei denen Radfahrer beteiligt sind, vergleicht (Radverkehrsunfälle je 10.000 Einwohner) und dabei den hohen Radverkehrsanteil in Potsdam einbezieht, wird deutlich, dass Radfahren in Potsdam sicher ist! Der Radverkehrsanteil lag 2008 in Potsdam bei 20 Prozent; dagegen waren nur in 6,5 Prozent der Unfälle Radfahrer beteiligt. Dennoch ist es anzustreben, die absoluten Unfallzahlen durch eine weitere Erhöhung der Verkehrssicherheit zu senken.

In der Analyse zum Radverkehrsunfallgeschehen wird deutlich, dass bei Unfällen mit verunglückten Radfahrern zum überwiegenden Teil der Autofahrer der Hauptverursacher ist. Besonders deutlich wird dies bei Einbiegen/Kreuzen-Unfällen und Abbiege-Unfällen, die zusammen einen Anteil von 60 Prozent an allen Unfällen mit verunglückten Radfahrern in den Jahren 2008 bis 2010 haben. Folglich soll der Autofahrer im Rahmen der Verkehrssicherheitsarbeit weiter angesprochen werden. Ein Beispiel dafür könnte die in den letzten zwei Jahren jeweils durchgeführte Aktion „Schulterblick" sein. Insgesamt ist die Akzeptanz und Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer für die Verkehrssicherheit entscheidend. Weitere Zielgruppen im Rahmen der Radverkehrssicherheitsarbeit stellen die Jugendlichen und jungen Erwachsene dar, da diese häufig in Unfälle verwickelt sind und im Gegensatz zu anderen Altersgruppen auch häufiger Unfallverursacher sind. Ein koordiniertes Vorgehen aller Handlungsträger muss angestrebt werden.

Über die gesamtstädtische Analyse hinaus wurden einzelne unfallauffällige Bereiche über die Analyse der Unfalltypensteckkarten der Polizei für die Jahre 2008 bis 2010 identifiziert und hinsichtlich unterschiedlicher Kriterien wie der Unfallschwere, Unfalldichte und Unfallentwicklung ausgewählt. Bei den ausgewählten Straßenzügen und Kreuzungen wurde der Unfallhergang analysiert, bewertet und Lösungsvorschläge zur Erhöhung der Radsicherheit erarbeitet. Diese teilweise infrastrukturellen Verbesserungsmaßnahmen, aber auch Kurzzeitbeobachtungen und Öffentlichkeitsarbeit sollen umgesetzt werden.

Zusätzlich wurde der Einsatz der Schutzstreifen in Potsdam untersucht. Anhand von drei Straßenabschnitten, die im Jahr 2010 mit Schutzstreifen markiert wurden, sind die Radverkehrsunfälle der Jahre 2010 und 2011 - vor und nach der Markierung - im Unfallhergang bewertet worden. Es ist keine Erhöhung der Unfallzahlen nach der Markierung von Schutzstreifen feststellbar, die Bereiche werden aber aufgrund des bisher kurzen Zeitraumes von zwei Jahren weiter beobachtet.

Der Beigeordnete für Stadtentwicklung und Bauen Matthias Klipp betont: „Die Untersuchung zeigt, Radfahren in Potsdam ist sicher! Es wurde aber auch deutlich, dass die Verkehrssicherheitsarbeit gerade im Bereich der Jugendlichen weiter vorangetrieben werden muss, da diese besonders häufig in Unfälle verwickelt sind. Hier ist eine enge Zusammenarbeit aller Akteure notwendig!"

 

Hintergrund

Unfallgegner bei Unfällen mit verunglückten Radfahrern

In Potsdam sind andere Radfahrer, Lkw und Bus überdurchschnittlich häufig Unfallgegner von Radfahrern, Alleinunfälle hingegen wurden verhältnismäßig selten gemeldet. Unfallgegner sind überwiegend Personenkraftwagen mit 63 Prozent, Alleinunfälle (Radverkehrsunfälle ohne einen weiteren Beteiligten) 10 Prozent und Unfälle zwischen Radfahrern 9 Prozent.

Unfalltyp

Die meisten Radfahrer verunglücken an Einmündungen und Kreuzungen bei Unfällen mit Pkw. Hauptverursacher war meistens der Unfallgegner, der beim Abbiegen/Wenden Fehler machte oder die Vorfahrt/Vorrang des Radfahrers missachtete.

Unfallfolgen

Der Anteil der Radfahrer mit schwerem Personenschaden an allen verunglückten Verkehrsteilnehmern ist mit 9,3 Prozent im Vergleich zu anderen Städten und dem Durchschnitt (Deutschland innerorts) vergleichsweise gering. Im Hinblick auf die verschiedenen Altersgruppen sind die höheren Altersgruppen auffällig, so sind die Unfallfolgen bei älteren Radfahrern meist schwerwiegender als bei Radfahrern jüngeren Alters.

Untersuchung unfallauffälliger Straßenzüge und Kreuzungen

Ausgewählte Straßenzüge inklusive unfallauffälliger Kreuzungsbereiche:

- Hegelallee (Friedrich-Ebert-Straße bis Schopenhauerstraße)

- Zeppelinstraße/Schopenhauerstraße (Breite Straße bis Hegelallee)

- Friedrich-Ebert-Straße (Hegelallee bis Am Kanal)

- Großbeerenstraße (Lutherplatz bis Wetzlarer Straße)

- Bahnhofsumfeld

Ausgewählte Kreuzungen:

- Breite Straße/Schopenhauerstraße

- Karl-Liebknecht-Straße/Rudolph-Breitscheid-Straße

 

Potsdam, 23.01.2013

Veröffentlicht von:
Stadtverwaltung Potsdam

Info Potsdam Logo 2013-01-23 11:43:00 Vorherige Übersicht Nächste


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