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Potsdam, 29.09.2020

Bundesbehörde nutzt ehemalige Lokhalle


Hauptzollamt Potsdam mit mehr als 500 Mitarbeitenden zieht nach Babelsberg

Die historische Lokhalle in Babelsberg wird Sitz des Hauptzollamtes Potsdam mit etwa 500 Mitarbeitenden. Das haben Oberbürgermeister Mike Schubert und Immobilien-Eigentümer Jürgen Wowra gemeinsam mit Peter Schindler von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und Dr. Tim Bretschneider, Leiter des Hauptzollamtes Potsdam (HZA), am Dienstag, 29. September 2020, bekannt gegeben. Nach Abschluss der denkmalgerechten Renovierungsarbeiten wird das Hauptzollamt als Behörde im Ressortbereich des Bundesministeriums der Finanzen mit zunächst etwa 500 Mitarbeitenden einziehen und dort perspektivisch bis zu 540 Arbeitsplätze in die Landeshauptstadt Potsdam bringen. Aufgrund der vorhandenen Erweiterungsmöglichkeiten der Büroflächen kann sogar eine noch darüberhinausgehende Anzahl von Arbeitsplätzen geschaffen werden.

Mike Schubert, Oberbürgermeister Landeshauptstadt Potsdam:
„Die ehemalige Lokhalle, wegen ihrer Bauweise auch ‚Lokzirkus‘ genannt, findet nach Jahrzehnten des Verfalls nun eine neue Nutzung und wird denkmalgerecht saniert. Es ist ein gutes Zeichen für Potsdam, dass die Bundesbehörde mit hunderten Arbeitsplätzen ihren Sitz in Potsdam hat und auch hier investiert wird. Wo einst Lokomotiven hergestellt und gewartet worden sind und in den vergangenen Jahren unter anderem Filme gedreht wurden, entsteht nun ein moderner Bürostandort.“

Jürgen Wowra, Eigentümer der Immobilie:
„Aus dem ‚Lokzirkus‘ wird nun das PARADOME. Seit dem Erwerb im Jahr 2016, kurz vor dem Abriss des maroden Industriedenkmals, haben wir in einer, für ein solches Projekt nötigen, langen Vorbereitungszeit nun endgültige Übereinstimmung mit dem zukünftigen Nutzer erreicht. Dessen Anforderungen auf die Größe, Lage, Erreichbarkeit und Flexibilität des Baudenkmals konnten im unterzeichneten Mietvertrag festgelegt werden. Nun hoffen wir auf ein zügiges Baugenehmigungsverfahren und freuen uns auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung, sodass ein Einzug im ersten Quartal 2023 erfolgen kann.“

Peter Schindler, Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA):
„Die BImA als Immobiliendienstleisterin des Bundes hat hier die Nachfrage einer bedeutenden Bundesbehörde nach modernen Büroräumen mit einem einzigartigen Angebot in einer altehrwürdigen Immobilie zusammengebracht. Insbesondere freut uns, dass wir den Unterbringungsbedarf aller Organisationseinheiten des Hauptzollamtes Potsdam an einem zentralen Standort realisieren konnten. Wir setzen auf eine langjährige und konstruktive Zusammenarbeit.“

Dr. Tim Bretschneider, Leiter Hauptzollamt Potsdam:
„Als Leiter des Hauptzollamts Potsdam bin ich sehr froh über die getroffene Vereinbarung und freue mich darauf, dieses einzigartige und denkmalgeschützte Gebäude ab 2023 als Dienstsitz für den Zoll in Potsdam nutzen zu können. Wir werden hier auf insgesamt 16.000 Quadratmetern optimale aber auch architektonisch besondere Arbeitsbedingungen für die Zöllnerinnen und Zöllner vorfinden. Zudem wird es wieder möglich sein, alle Einheiten des Hauptzollamts in einem Gebäude zusammenzuführen und dadurch gewonnene Synergieeffekte zu nutzen. Hervorzuheben sind auch die verkehrsgünstige Lage in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Potsdam -Medienstadt Babelsberg - und die Nachbarschaft zum Studio Babelsberg, das ebenfalls auf eine langjährige Tradition an diesem Standort zurückblicken kann. Da es sich beim Zoll, trotz seines Alters, um eine moderne Verwaltung handelt und die Aufgaben seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ständigen Veränderungen unterliegen, besteht an diesem Standort die Möglichkeit flexibel auf mögliche Personalzuwächse zu reagieren.“

Der Lok-Zirkus ist eines der wichtigsten Industriedenkmale der Landeshauptstadt Potsdam. Er wurde 1899/1900 vom Industrielokomotiv-Fabrikanten Benno Orenstein an der Wetzlarer Straße erbaut. Die sechseckige Halle mit dem Kuppeldach von 48 Metern Spannweite und einer Höhe von 14 Metern ist ein Stück Industriegeschichte der Stadt. 1899 begann hier die Produktion von Feld- und Kleinbahnen. Dafür wurde um die Jahrhundertwende die riesige runde Produktionshalle erbaut. Sie erlaubte es, immer größere Lokomotiven zu bauen. Schließlich verließen auch Exemplare der Baureihe 52 die Halle, um direkt an die Fronten des Zweiten Weltkrieges zu fahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden hier Lokomotiven als Reparationsleistungen für die Sowjetunion hergestellt. 1948 wurde das Werk in den VEB „Lokomotivbau Karl Marx Babelsberg“ verwandelt und stellte zunächst Dampflokomotiven, später auch Dieselloks her. Der Lokomotivbau endete in Babelsberg 1976.

Nach der Wende war für die Halle klar, dass es eine industrielle Wiederbelebung nicht geben kann. Alle nennenswerten Unternehmen wurden abgewickelt.

Im Herbst 2007 hatte die Lokhalle einen großen Auftritt. Für fast eine Viertelmillion Euro wurde die Halle in den Zentralbau des New Yorker Guggenheim-Museums verwandelt, um für den Tom-Tykwer-Film „The International“ (u.a. mit Clive Owen, Naomi Watts und Armin Mueller-Stahl) als Schauplatz einer Schießerei zu dienen. Auf keinen Fall hätte man diese wilde Ballerei für den Polit-Thriller in dem Original-Kunsttempel am Central Park drehen können. In den folgenden zehn Jahren stand das Gemäuer wieder leer und verfiel weiter.

Potsdam, 29.09.2020

Veröffentlicht von:
Landeshauptstadt Potsdam

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