Navigation überspringen
Potsdam, 31.03.2014

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg erwirbt zwei Silbertabletts aus dem Besitz Friedrichs des Großen

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) konnte dank der großzügigen Unterstützung der Kulturstiftung der Länder zwei vergoldete Silbertabletts aus dem Besitz Friedrichs des Großen (1712-1786) im Wiener Kunsthandel erwerben. Die dem Goldschmied Christian Lieberkühn d. J. (1709-1769) zugeschriebenen Stücke sind unzweifelhaft herausragende Meisterwerke der deutschen Goldschmiedekunst des 18. Jahrhunderts. 

Die in der Metallwerkstatt der SPSG restaurierten Tabletts werden erstmals in der Ausstellung "Von Blumenkammern und Landschaftszimmern - Der Garten im Innenraum 1740-1860" öffentlich präsentiert. Diese ist vom 18. April bis zum 31. Oktober in den Römischen Bädern (Park Sanssouci, Potsdam) im Rahmen des Gartenjahrs 2014 zu sehen. Anschließend werden sie in die Dauerausstellung "Kronschatz und Silberkammer der Hohenzollern" im Berliner Schloss Charlottenburg integriert und zusammen mit den schon vorhandenen Exponaten des Lieberkühnschen Silberservices gezeigt. 

Königliche Tafelkultur

 

Die 37,3 cm x 25,5 cm großen Silbertabletts entstanden um 1745/50 als Auftragsarbeit für Friedrich den Großen. Sie wurden als Kredenzschalen verwendet, mit denen dem König und seinen hochrangigen Tafelgästen Servietten, Obst und Konfekt gereicht wurden. Die nahezu identischen Kunstwerke sind als große Weinblätter mit geschweiften Rahmungen gestaltet. Plastisch ausgearbeitete Weinlaubzweige dienen als Griffe, während die Flächen wiederum mit je drei Weinblättern ausgelegt sind. Bemerkenswert ist die feine Reliefschichtung, die exquisite Ziselierung und Polierung der Flächen, deren ursprüngliche Vergoldung fast vollständig erhalten ist. Allerdings unterscheiden sich die Platten im Detail. So erschienen auf der einen Blattoberseite ein Hirsch- und ein Marienkäfer, auf der anderen eine Biene und eine Raupe. 

Tafelservice und Tafelrequisiten sind vielfach durch vegetabile Formen geprägt. Insbesondere trifft dies auf das Porzellan des 18. Jahrhunderts zu. Aus der Meißener Manufaktur sind blattförmige Objekte bekannt, die nach Vorgaben Friedrichs des Großen hergestellt wurden. In der Goldschmiedekunst sind naturalistische Weinblattdekore für Gefäße hingegen selten und nur im deutschen Sprachraum nachweisbar. Besonders ausgeprägt sind sie in der Berliner Goldschmiedekunst des Rokoko, die entscheidend durch die Wünsche Friedrichs des Großen bestimmt wurde. Da 1809 beinahe das gesamte Tafelsilber der Hohenzollern für Reparationszahlungen an den französischen Kaiser Napoleon eingeschmolzen werden musste, gehören die beiden Silbertabletts heute zu den wenigen originalen Edelmetall-Zeugnissen der friderizianischen Tafelkultur. 

Stilistisch stehen sie dem ebenfalls von Lieberkühn geschaffenen silbernen Tafelservice Friedrichs des Großen nahe. Für die Silbersammlung der SPSG im Schloss Charlottenburg konnten bereits 2003 wichtige Teile angekauft werden. Die Terrinen und Wärmeglocken des 1746/47 gefertigten Services sind jeweils von einer vollplastischen Weinranke bekrönt. Ähnlich wie bei den Tabletts ist der Stängel als Griff ausgebildet. Das Weinrankenmotiv lässt an das Schloss Sanssouci denken, dass Friedrich der Große auch als Vigne bezeichnete. Das Service wurde bei besonderen Anlässen - vorrangig im Neuen Palais - gedeckt, wo auch die Kredenzen für das Tafelzeremoniell benutzt wurden.

Wohl als Geschenk König Friedrich Wilhelms III. (1770-1840) gelangten die beiden Tabletts in den Besitz des Grafen Dimitri Scheremetjew (1803-1871) nach St. Petersburg. Danach ist ihre Provenienz erst wieder im frühen 20. Jahrhundert in der bedeutenden Silbersammlung des jüdischen Wiener Textilindustriellen Otto Pick fassbar. 1938 von der Gestapo beschlagnahmt, wurde die Kollektion nach dem Zweiten Weltkrieg der Familie Pick zurückgegeben.

Potsdam, 31.03.2014

Veröffentlicht von:
SPSG

Info Potsdam Logo 2014-03-31 15:18:39 Vorherige Übersicht Nächste


1962

Das könnte Sie auch interessieren:

Ostern im #Lieblingspark

Ostern im #Lieblingspark

Nachtwanderung und Osterfeuer am Wochenende im Volkspark Potsdam 01.04.26 - Freitag, 03. April 2026, 20:00 – 21:00 Uhr Nachtwanderung zu den Amphibien Anfang April stehen heimische Amphibien im Mittelpunkt der nächtlichen Wanderung durch den Remisenpark der NABU-Ortsgruppe. Die Teilnehmenden ...
Carsten Schulte wird technischer Geschäftsführer der EWP

Carsten Schulte wird technischer Geschäftsführer der EWP

01.04.26 - Der Aufsichtsrat der Energie Wasser Potsdam GmbH hat am 30. März 2026 beschlossen, Carsten Schulte mit Wirkung zum 1. April 2026 zum technischen Geschäftsführer zu bestellen. Herr Schulte ist derzeit als ...
Wochenlanger Frost, verlässlich gesteuert:

Wochenlanger Frost, verlässlich gesteuert:

Stadtentsorgung Potsdam (STEP) zieht starke Winterbilanz 01.04.26 - Die Stadtentsorgung Potsdam (STEP) zieht zum Ende der Wintersaison 2025/2026 eine positive Bilanz: Trotz wechselhafter Witterung, mehrerer Frostperioden und wiederkehrender Schneefälle konnte die Verkehrssicherheit auf den ...
Verkehrsprognose für die Woche

Verkehrsprognose für die Woche

vom 30. März bis 5. April 29.03.26 - Heinrich-Mann-Allee Aufgrund von Straßenbauarbeiten und der Entfernung alter Straßenbahngleise muss die Heinrich-Mann-Allee zwischen Brauhausberg und Friedhofsgasse halbseitig gesperrt werden. Der ...
Zum 1. Juli tritt in Potsdam die Verpackungssteuer in Kraft

Zum 1. Juli tritt in Potsdam die Verpackungssteuer in Kraft

Ziel: mehr Sauberkeit und weniger Müll in Potsdam 29.03.26 - In ihrer Sondersitzung am Mittwoch, den 25. März, haben die Stadtverordneten die Einführung der Verpackungssteuer in der Landeshauptstadt Potsdam zum 1. Juli 2026 beschlossen. Die Steuer richtet sich an ...

 
Facebook twitter