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Potsdam, 23.03.2016

Der Osterhase - ein Europäer mit Migrationshintergrund

Der lateinische Name des heimischen Feldhasen - Lepus europaeus - belegt es: Er ist inzwischen ein echter Europäer. Dabei war er ursprünglich in Steppengebieten Asiens und Nordamerikas zu Hause und ist irgendwann in Europa eingewandert. In Brandenburg lebt der Kulturfolger vorzugsweise auf landwirtschaftlichen Nutzflächen, aber auch in Wäldern. 

„Meister Lampe“, wie der Feldhase in Fabeln und Märchen heißt, ist ein sehr anpassungsfähiges Tier. Sein bekannter Zweitname stammt aus der Jägersprache. Weil sich beim flüchtenden Feldhasen der helle Fleck im Unterfell am Stummelschwanz weithin sichtbar vom übrigen Fell abhebt, bezeichnen ihn Weidmänner als Lampe.    

Fruchtbares Symbol

Zu Recht gilt der Feldhase als Frühlingsbote und Fruchtbarkeitssymbol. Ein Weibchen bringt immerhin drei- bis viermal im Jahr bis zu sechs Junge auf die Welt. Leider erleben 50 Prozent der Hasenbabys ihren ersten Geburtstag nicht. Einmal erwachsen geworden, kann ein Feldhase bis zu 12 Jahre alt werden. Imposant ist der Kampf der Hasenmänner um die Weibchen. Sie versuchen dabei durch Boxen mit den Pfoten ihre Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen. Auf der Flucht erreicht Meister Lampe dann Spitzengeschwindigkeiten bis zu 80 Stundenkilometer. 

Der Feldhase ist ein eher bodenständiger Typ, der sein relativ kleines Revier kaum verlässt. Er bevorzugt trockene Standorte und ist ein reiner Vegetarier. 

Fuchs und Hase

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Hasenpopulation in Nordostdeutschland stark zurückgegangen. Laut WILD-Länderbericht 2013 liegen in Brandenburg die Besatzdichten des Feldhasen damit schon länger unter den Zahlen aus den westlichen Bundesländern. Ihr Bestand ist aber auch im bundesweiten Vergleich nur auf niedrigem Niveau stabil, weil Landnutzung, die Zersiedlung der Landschaft und der zunehmende Straßenverkehr den Hasen überall das Leben schwer machen. Die Streckenentwicklungen der letzten 40 Jahre auf Bundesebene zeigen aber auch, dass die Hasenbesätze starken Schwankungen beziehungsweise Zyklen unterliegen. Kommen in den Tiefpunktphasen ungünstige Lebensbedingungen hinzu, führt das dazu, dass sich die Besätze nicht mehr vollständig erholen können. Neben der Witterung spielen hier eine Reihe von Faktoren wie Flächennutzungsverhältnisse und Raubwildsituation eine Rolle. Einer seiner Hauptfeinde, der Fuchs, erobert immer mehr das Terrain und droht mit steigender Population die Feldhasen zu verdrängen.

Ostern ist aber nicht in Gefahr. In Brandenburg teilen sich etwa fünf bis sechs Hasen 100 Hektar Fläche. Im so genannten Jagdjahr  2014/2015 (1. April bis 31. März des Folgejahres) wurden insgesamt 3.092 Feldhasen gezählt, 41 Tiere mehr als im Vorjahr. Das klingt mehr, als es ist: Denn 63 Prozent dieser Strecke sind Verkehrsopfer, weitere 14 Prozent sind Fallwildverluste. Diese Zahlen gehen in die Streckenstatistik mit ein. Brandenburgs Jäger halten sich also im Wissen um die Gefährdung der Art freiwillig sehr zurück, obwohl rein rechtlich die Jagdzeit vom 1. Oktober bis 15. Dezember reicht.

Die größte Wahrscheinlichkeit, einen Feldhasen zu sichten, besteht in den Landkreisen Märkisch-Oderland und Uckermark, wie die Jagdberichte des Agrar- und Umweltministeriums seit Jahren ausweisen.

An sich bietet Brandenburg mit seinem im Ländervergleich hohen Grünlandanteil gute Voraussetzungen für die Hasen-Population. Rund ein Drittel der Landesfläche sind Äcker und Weiden, ein weiteres Drittel Wald. In der Landbewirtschaftung werden sich die Maßnahmen, die Bauern in der EU-Förderperiode 2014 bis 2020 im Greening und in den Agrar-Umweltprogrammen umsetzen, auch positiv auf den Bestand von Niederwildarten - und damit den Hasen - auswirken. Die immer noch neue, 2014 eingeführte Greening-Prämie (Zahlung für Klima- und Umweltschutz förderliche Landbewirtschaftungsmethoden) beispielsweise wird EU-weit nur dann an die Landwirte ausgezahlt, wenn sie den Anbau verschiedener Feldfrüchte nachweisen, das Dauergrünland erhalten beziehungsweise auf mindestens fünf Prozent ihrer Flächen ökologische Vorrangflächen ausweisen. 

Kleinere Betriebe bis zu einer Prämienhöhe von 1.250 Euro und Unternehmen des ökologischen Landbaus müssen diese Greening-Maßnahmen nicht anwenden. Der ökologische Landbau bietet aber mit seinen Anbauverfahren eine hohe Diversität im Rahmen der Fruchtfolgegestaltung - die Flächen werden extensiv genutzt. Bei Bio ist Brandenburg mit einem Anteil von rund 11 Prozent an der landwirtschaftlichen Nutzfläche vorbildlich. Brandenburg zählt mit dem Saarland und Hessen zur Spitze im ökologischen Landbau in Deutschland. 2015 waren in der Mark 767 erzeugende Bio-Betriebe gemeldet. Damit arbeiten 14,2 Prozent der 5.400 Agrarbetriebe im Land ökologisch. Nach dem aktuellen Lagebericht des Deutschen Bauernverbands werden im Bundesdurchschnitt 6,3 Prozent (1.047.633 Hektar) der Agrarfläche nach den Regeln des ökologischen Landbaus bewirtschaftet. 

Potsdam, 23.03.2016

Veröffentlicht von:
MLUL

Info Potsdam Logo 2016-03-23 15:09:51 Vorherige Übersicht Nächste


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