Klartext reden seine Figuren schon immer gerne, denn was viele Zuschauer im ersten Moment als wohlgemeintes belangloses Gebabbel empfinden, erweist sich als hintersinniger und provokanter als von den, auf der Bühne versammelten Typen, alle dargestellt von Bülent Ceylan, zu vermuten war. Jetzt präsentiert Bülent sein neues Werk und mischt dabei in seinem bewährten Konzept wieder absolut Frisches mit anerkannt stabilen Grundlagen seiner vorhergehenden Programme.
Die Fälle mit denen sich Bülents ... weiter lesenFiguren diesmal beschäftigen müssen, ändern sich allerdings und zumindest bei der dialektgeplagten Anneliese dreht es sich ja sowieso eher um die eher flauschigen Felle, die sie und ihr permanent „meinender“ Gatte im familieneigenen Pelzhaus feilbieten. Anders wenn unser aller Freund Harald babbelt. Da ersetzt ein Brummen eine ausführliche bedenkliche Meinung oder ein kurzes „Jou!“ die ansonsten in der Republik verwendete Formulierung: „Also ich bin der Ansicht, dass wir deinem Vorschlag folgen können und die Durchführung der geplanten Aktion auf diese Weise von statten gehen lassen können!“.
Gibt Hasan etwas von sich, dann ist es sicherlich nichts Materielles. Das was aber verbal in seiner unnachahmlichen Wortwahl auf uns einstürzt, fönt uns auf direktem Weg das Gehirn, verwirrt uns und ihn und lässt uns innerhalb von Sekunden unseren und leider auch seinen Mund offen stehen. Der türkische Gemüsehändler Aslan bewegt sich aufgrund seines fortgeschrittenen Alters naturgemäß in anderen Wissens- und Weisheitsregionen wie der Rest der Ceylan’schen Protagonisten und findet dadurch wesentlich leichter Halt in den Stürmen dieses unseres Lebens. Dort wo wir uns längst verloren hätten, hat er schon den Kopf aus der Schlinge gezogen und das Seil an den Meistbietenden versteigert.
„Manitu sei’s getrommelt und geklagt!“ lautet der neuzeitlich abgewandelte aber dennoch weise Wahlspruch des einzigartigen Schamanen Karl-Heinz Huck. Nur minimal folkloristisch angehaucht, dafür aber vehement auf angeblich übernatürliche Kräfte beharrend nimmt er sich auch diesmal wieder unlösbare Probleme vor. Die beiden bereits bei „halb getürkt“ etablierten Pausen-Opas, die im Stile der beiden Alten aus der Muppet-Show, das Gesehene und das Vermutete kommentieren, nehmen im neuen Programm die eventuell ungeliebte Titelrolle wahr und bringen mit ihrem Gebabbel einiges auf den Punkt, was uns sonst eher auf die Palme bringt. Endlich zurück auf der vakanten Position der Scharlatante von nebenan, beschäftigt die ehemalige Gräfin Erika sich und uns mit dem weiten Thema der esoterischen Lebensberatung.
Mompfred Bockenauer, Hausmeeschder im oftmals kaum zu bändigenden Konglomerat an Typen und Passionen, besteht weiterhin auf seinem Anspruch auf Zucht und Ordnung. Da wird gepoltert, gegrölt und genuschelt was das Zeug und das Gebiss gerade noch so hält und wenn wir alle ganz brav sind, dann dürfen wir wiederkommen. Genau das ist es aber, was sich die meisten Menschen wünschen, die Bülent Ceylans vorherige Programme kennen. Nicht ohne Grund werden gerade die besondere Wandlungsfähigkeit des Mannheimer Comedians und die außergewöhnliche Gagdichte seiner Aufführungen als wichtigste Argumente bei der Beurteilung seiner Aufführungen genannt. Sicher gestellt ist dadurch aber auch, dass sich so mancher Lachanfall genüsslich auf dem ein oder anderen Zwerchfell räkeln wird und die gespeicherten Eindrücke in den Mundwinkeln für tagelange Nachwirkungen sorgen werden.