BOSSE - Nachholtermin vom 27.11.2011
Waschhaus Potsdam
Waschhaus Potsdam Waschhaus Potsdam21.02.2012 ab 20:00 Uhr
Achtung: Die Karten behalten ihre Gültigkeit o. können an den VVK-Kassen zurückgegeben werden
Intimität ist selten in der Rockmusik. Noch viel seltener geht sie mit kompositorischem Können zusammen. Wer jedes Wort mit Bedacht wählt und die Arrangements musikalisch den Themen der Stücke anpasst, gilt als Architekt mit Formwille, aber wo Baupläne sind, können nicht ungefiltert Emotionen fließen. Sagt man so.
Axel Bosse beweist auf seinem vierten Studioalbum "Wartesaal", das am 25. Februar 2011 veröffentlicht wurde, das Gegenteil, denn alles greift hier ineinander. Wenn in der ersten Single "Weit weg" oder dem Stück "Du federst" ein tanzbares Wave-Schlagzeug, ein Piano mit Fernweh und eine Stimme mit Horizontblick die Regie führen, hat das Sinn, denn es geht darin ums Flüchten, Fliegen und "Schweben. "Jedes Problem wird wie Luft sein..." Und wenn dann in "Yipi" zwei Menschen nach einer langen, anstrengenden Krise ganz zaghaft die Köpfe wieder aus dem Bau strecken, da der Streit zu Ende ging, kommt die beste formale Idee zum Zug, die einem deutschsprachigen Songwriter seit langem eingefallen ist. Die Erlösten singen "Yipijeiyeah", aber eben nicht laut, sondern in Form einer behutsam zurückgenommenen Ballade. Niemand bringt dieses Gefühl zwischen der Euphorie, dass es vorbei ist und der Angst, dass es nicht wirklich sein könnte, besser auf den Punkt. Ein Song wie ein verwundetes Tier, das Angst hat, dass die Adler noch kreisen und das zugleich erleichtert jubeln will.
Besser kann man nicht ausdrücken, was mit einem passiert, wenn man Bosse hört. Diese Stimmlage und Phrasierung, die niemand anders teilt und die einem das Gefühl gibt, ganz nah dran zu sein, aber zugleich einem Werk zuzuhören, das nicht als Tagebuch hingeschludert wurde, sondern als Entwurf, der sich selbst und seine Hörer ernst nimmt.
Eine Veranstaltung von wunderlich music.
präsentiert von Radio Fritz

