Blockflöte des Todes
Waschhaus Potsdam
Waschhaus Potsdam Waschhaus PotsdamDie Veranstaltung ist bereits zu Ende.
Es ranken sich so einige Mythen um die Ananas; allerdings nicht alle entsprechen nach eingehender Prüfung auch der Wahrheit. So muss man(n) wohl morgens zwei Liter Ananassaft zu sich nehmen um Ejakulat in eine kulinarische Delikatesse zu verwandeln. Aber zum einen weiß das kaum jemand und zum andern wäre "ich habe heute morgen zwei Liter Ananassaft getrunken" ein ziemlich blöder Titel gewesen.
Und so heißt das neue Album der Blockflöte des Todes "ich habe heute Ananas gegessen" und das ebenso beschriftete T-Shirt hat bereits dafür gesorgt, dass Matthias Schrei (so heißt die Flöte eigentlich) nun kein notorisch jammernder Single mehr ist. Nein, seit seinem Auftritt im Insomnia - einem der größten Swingerclubs Berlins - ist er Swinger/Songwriter und hat die große Stadt verlassen, um das Nordniedersächsische Landleben zu genießen. Die vierzehn Lieder auf der quietschgelben CD sind die letzten Reste urbaner und ananasgeschwängerter Schreibergüsse.
Natürlich sind Beziehungen da das Hauptthema. Die Beziehung zum Leben, zum Sterben, zur besten Freundin, zur Freundin mit Kinderwunsch, zur zukünftigen Exfreundin, zur Welt - oder wie es die Blockflöte so schön sagt: blöder blauer Ball im All, zu Tieren, zur Mutter, zum modernen ActionKino usw. All das gipfelt in einem Duett mit Diane Weigmann, mit der Schrei bereits erfolgreich beim BundesVisionSongContest 2010 scheiterte. Eine so aussichtsreiche Zusammenarbeit musste weitergeführt werden und ist nun in Form einer musicalartigen Ballade, bei der Ex-Lemonbaby Weigmann zum ersten mal im Leben das Wort "Scheiße" singt, auf dem Album zu finden.
Wie auch auf dem Vorgänger "wenn Blicke flöten könnten" spielt die Blockflöte des Todes mit Sprache, als wäre sie ein bunter Haufen Knete aus dem man lauter lustige Sachen basteln kann. Immer wieder wird der Zuhörer ins sogenannte Boxhorn gejagt, will gerade aufatmen und bekommt die nächste Breitseite. Beispielsweise heißt es da "du kotzt mich manchmal an und dann halte ich dir die Haare aus dem Gesicht" oder "auch andere Mütter haben schöne Töchter, aber deine hat die schönste - deine Schwester" und auch "Ilka Ida, du terrorisierst mich".
Die Texte sind verpackt in leicht flockige Popmusik, die Schrei in seiner winzigen Berliner Wohnung produziert hat. Sicherlich wäre es schöner gewesen, die aufwändigen Arrangements in einem Studio einzuspielen, aber nur so konnte sich die Blockflöte gebührend bei seiner Nachbarin revanchieren, die Tag für Tag von früh bis spät immer und immer wieder ein und dasselbe Shakira Lied hörte, und zwar sehr laut. Hier und da taucht eine weibliche Gaststimme auf, je nach dem wer gerade zu Besuch war.
Dass hinter den Liedern noch irrere Geschichten stecken, erlebt man auf den bizarren und lustigen Konzerten des Music-Comedian bei denen er sich gebührend mit dem Publikum betrinkt, erzählt, spielt und singt.