Apoptygma Berzerk

Apoptygma Berzerk Mit der Maus drüber fahren!

Jugendkultur und Familienzentrum „Lindenpark“


04.03.2006 ab 21:00 Uhr

Die 1991 von Stephan Groth gegründete Band Apoptygma Berzerk ist immer eine Band der Wandlungen und Gegensätze gewesen. Der gerade vollzogene Labelwechsel von Warner, wo 2002 ihr letztes Album „Harmonizer“ erschienen ist, zu GUN Records stellt dabei offensichtlich keinen Grund dar, an diesem Umstand etwas zu ändern. Die Norweger mit dem zungenbrecherischen Namen sind seit jeher ein Garant für zeitlos schöne, einfühlsame wie tanzbare Electro-Musik gewesen, haben mit ihren Alben „Soli Deo Gloria“ (1993), „7“ (1996), dem Independent-Hit-Album „Welcome To Earth“ (2000) und eben ihrem letzten Meisterwerk, „Harmonizer“, Genremarken für die elektronische Musik gesetzt und sind dabei souverän wie innovativ mit den Versatzstücken der Electronic Body Music, der Industrial Music und auch der Techno-Bewegung umgegangen, um stets eine einzigartige neue Mixtur zu kreieren, die immer wieder erfrischend anders ausfiel, weil die Schwerpunkte der unterschiedlichsten Einflüsse immer neu gesetzt wurden.

Dass das elektronische Etikett letztlich zu kurz greift, war früh zu erahnen. Bereits auf ihrem Debütalbum „Soli Deo Gloria“, das mit „Bitch“ und „Burnin’ Heretic“ bereits zwei respektable Szene-Clubhits in der Setlist aufweisen konnte, überraschten Apoptygma Berzerk mit Samples, deren Ursprünge nicht immer ganz mit den wesentlichen Einflüssen von Bands wie Kraftwerk, Front 242, Skinny Puppy, OMD oder The Young Gods konform gingen. So tauchen beim Stück „Skyscraping“ in der Liste der gesampelten Acts auch Electro-fremde Namen wie Alice In Chains, Pixies, PJ Harvey, Sonic Youth und Ride auf.

Dass diese Ansammlung von Gitarren-Bands keine einmalige Koketterie gewesen ist, bewiesen Stephan Groth & Co. auf demselben Album mit einer grandiosen Coverversion von Velvet Undergrounds „All Tomorrows Parties“. Bis heute haben es sich Apoptygma Berzerk nicht nehmen lassen, ihren ureigensten Idolen mit ganz speziellen und sehr persönlichen Coverversionen Respekt zu zollen. So finden sich in der weiteren Diskografie der Band – oft leider nur als B-Seiten auf den Singles – auch Coverversionen von The Cure („A Strange Day“) und Metallica („Fade To Black“ und „Nothing Else Matters“), OMD („Electricity“) und Kraftwerk („Ohm Sweet Ohm“).

Diese lieb gewonnene Tradition setzen Apoptygma Berzerk zum Glück auch auf ihrem neuen Album „You And Me Against The World“ fort, diesmal mit Kim Wildes „Cambodia“ und „Shine On“ von The House Of Love. Doch schon die Vorabsingle „In This Together“ ließ erahnen, dass die Norweger nach so langer Veröffentlichungspause nicht einfach an das electropoppige „Harmonizer“-Album mit den Hits „Suffer In Silence“ und „Until The End Of The World“ anknüpfen würden. Stattdessen macht sich auf „You And Me Against The World“ ein ungewöhnliches Indie-Rock-Feeling breit, das den feinsinnigen Kompositionen mit durchdringender Ohrwurmqualität eine angenehm raue Atmosphäre verleiht. Während es in der Vergangenheit eher die elektronischen Wurzeln waren, die ihre deutlichen Spuren im Soundgewand von Apoptygma Berzerk hinterließen, schlagen diesmal eher die Einflüsse aus dem Indie-Rock Anfang der Neunziger durch. Schließlich hatte Stephan, der sich nun über die Rückkehr von Gitarrist Anders Odden ins Line-up freuen darf, auf dem rein elektronischen Sektor alles gesagt und getan. Nachdem Apoptygma Berzerk für jedes Album den Sound, das Outfit und den Gesang verändert haben, markiert das neue Werk den wohl prägnantesten Stilwechsel. Der direkteste Bezug zur goldenen Wave-Ära des 4AD-Labels mit Acts wie den Pixies, Dead Can Dance, This Mortal Coil und den Cocteau Twins findet sich bei der charmanten Nummer „Back On Track“, bei der im Chorus Anneli Drecker von Bel Canto zu hören ist, die für Stephan so eine Art norwegisches Pendant zu den 4AD-Acts darstellt. Auch wenn für viele Apoptygma-Berzerk-Fans das neue Album zunächst gewöhnungsbedürftig erscheinen muss – die Elektronik kommt bei weitem nicht zu kurz, nur wird sie diesmal von wuchtigen Gitarren, meist live eingespielten Drums und Stephans leicht rockröhrigen Gesang stärker überlagert.

“Es ist ja immer noch elektronisch! Nur liegen nun massig Gitarren darauf“, versucht Stephan die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart aufzuzeigen. „Apoptygma Berzerk haben immer ganz verschiedene Sachen gemacht. Wir haben als Industrial/EBM-Band angefangen und bewegten uns dann in eine Techno-Dance-Future-Pop-Richtung. Wir haben uns von einer Underground-Elektronik-Band zu einer Pop-Elektronik-Band entwickelt, und nun machen wir … was?“ Eine gute Frage! Im allgemeinen Strudel wechselnder Trends und stilistischen Neubewertungen haben sich die Norweger stets einen eigenen Klangkosmos geschaffen, nur um ihn für das nächste Album wieder neu zu definieren. Aber Gitarren gehören bereits seit einigen Jahren zum Live-Equipment der Band. Insofern haben Apoptygma Berzerk auf „You And Me Against The World“ vor allem ihre unbändige Live-Energie erstmals auch so ins Studio transformieren können. Erfrischend selbstbewusst präsentiert sich die Band dabei nicht nur auf der Single „In This Together“, sondern entwickelt ihre hymnischen Qualitäten auch beim etwas nachdenklicheren „Love To Blame“ oder dem verzehrenden „How Long“. „Mercy Kill“ verknüpft eindrucksvoll den Charme minimalistischer Electro-Grooves und scharf konturierten Indie-Rock-Riffs, während das atmosphärisch dröhnende „Tuning In …“ etwas an die norwegischen Kollegen von Zeromancer erinnert. Die Message des Albums schreit eben ausdrucksstark aus jedem Song heraus: gemeinsam können wir gegen den Rest der Welt bestehen! Für Apoptygma Berzerk wird das eine leichte Übung sein …


Eintritt 23€




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Stahnsdorfer Straße 76 - 78
14482 Potsdam
Tel: 0331/74 79 70
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